2. Ausstellung 2006

„Willi Geiger in der Bax“, Künstlerhaus Geiger – die Bax, Übersee am Chiemsee Juli 2006

Anhand von Gemälden und Grafiken veranschaulichte die zweite Ausstellung im Künstlerhaus Geiger „Willi Geiger in der Bax“ einige weitere relevante Aspekte seines künstlerischen Schaffens. Im Wohnhaus wurde eine Auswahl von Stillleben, die der Künstler vorwiegend am Chiemsee gemalt hat, durch Porträts von Familienmitgliedern ergänzt.

Die große Halle in der ehemaligen Tenne war der Verarbeitung der Erlebnisse von Naziregime, Kriegszeit und Nachkriegsjahren gewidmet. Ausgestellt wurden zwei 1947 erschienene Mappen, die einige in den Kriegsjahren entstandene Zeichnungen wiedergeben: In den 20 Lichtdrucken des Zyklus Zwölf Jahre brachte Willi Geiger sein unerbittliches Urteil über – wie er selbst formuliert – „Hölle des Krieges“ zum Ausdruck; die zwölf politisch-satirischen Blätter der Mappe Die Abrechnung demonstrieren den Haß gegen das „Ungeheuer in Menschengestalt“ und den „Zorn des politisch Verfolgten“ (Heinrich Graf). Ergänzend wurden einige Gemälde, die den gleichen Themenkreis berühren, gezeigt.

Obwohl der „Professor“ von der einheimischen Bevölkerung herzlich aufgenommen wurde, beschreibt folgendes Ereignis die Fragilität und unterschwellige Bedrohung seines am Chiemsee errichteten freien Schaffensraumes:

Zwei mir unbekannte Männer betraten mit jovialem „Grüß Gott“ die Scheune, in der ich mich gerade zu Malen anschickte; sie hätten von mir gehört und würden gerne meine Bilder anschauen. Sie betrachteten die an der Wand aufgestellten Gemälde, fragten mich, ob ich auch Genre-Bilder auf Lager hätte. Wissen Sie, meinte der eine, solche wie sie Grützner und der Spitzweg gemalt haben, und richtete außerdem die Frage an mich, ob ich auch Grafik hätte, was ich verneinte. Ja dann müssen Sie entschuldigen, daß wir gestört haben, wir haben leider nichts Passendes finden können. Sie hoben die Arme zum „Deutschen Gruß“, und die Spitzel verließen mich mit laut vernehmbarem, zackigem „HH“. Passendes wäre ihnen in die Hände gefallen, wenn sie hinter einer Bretterlage und den Deckel einer großen Bilderkiste geschaut hätten; in diesem Versteck befanden sich die Zeichnungen zu zwei Zyklen, die nach Beendigung des Krieges im Limes-Verlag („Zwölf Jahre“) und als Privatdruck („Eine Abrechnung“) in der Heinrich-Graf-Presse erschienen, sowie das Gemälde „Der Generalstab“.
(Geiger, Willi: Der offene Horizont: Lebenserinnerungen, Landshut 1996, S. 160)

Plakat zur 2. Ausstellung im Künstlerhaus Geiger – die Bax, 2006, Foto: Archiv Geiger, München
Eindrücke zur 2. Ausstellung im Künstlerhaus Geiger – die Bax, 2006, Foto: Archiv Geiger, München Eindrücke zur 2. Ausstellung im Künstlerhaus Geiger – die Bax, 2006, Foto: Archiv Geiger, München
Eindrücke zur 2. Ausstellung im Künstlerhaus Geiger – die Bax, 2006, Foto: Archiv Geiger, München Eindrücke zur 2. Ausstellung im Künstlerhaus Geiger – die Bax, 2006, Foto: Archiv Geiger, München

Ausstellungsidee: Julia Geiger