1908–1940 1940–1945 1945–1949 1950–1965 1965–1976 1977–1998 1999–2009

»Man muß der Farbe helfen, um sie sichtbar zu machen«
(Ausst.Kat. München, 1988, S. 102)

Nachdem Rupprecht Geiger vergeblich auf eine Professur in München wartet, erhält er 1965 einen Ruf als Professor für Malerei an die Staatliche Kunstakademie Düsseldorf, wo er bis 1976 lehrt. Seine Kollegen sind Norbert Kricke, Karl Bobek, Joseph Beuys (Bildhauerei), Hans Hollein (ab 1971) und Karl Wimmenauer (Architektur), Karl Otto Götz, Gerhard Richter (ab 1971) und Gerhard Hoehme (Malerei).

Rupprecht Geiger im Atelier der Staatlichen Kunstakademie, Düsseldorf 1974
Rupprecht Geiger im Atelier der Staatlichen Kunstakademie, Düsseldorf 1974; Foto: Dietmar Schneider, Köln

Mit der Düsseldorfer Professur beginnt eine künstlerische Phase, die von technischen Innovationen geprägt ist. Rupprecht setzt ab Mitte der sechziger Jahre für zwei Jahrzehnte die Luftdruckspritzpistole ein. Damals kommt er zu der Erkenntnis, dass der Pinselduktus, an dem die Handschrift des Künstlers normalerweise erkennbar ist, bei der Wahrnehmung der reinen Farbe einen störenden Faktor mit sich bringt. Der Einsatz der Spritzpistole führt dagegen zu einem absolut anonymisierten Malvorgang. Diese Technik ermöglicht außerdem einen äußerst dünnen Farbauftrag, so scheinen die Farbpigmente zu flimmern und zu vibrieren, werden entmaterialisiert. In dieser Zeit deklariert Rupprecht Geiger die ›Farbe als geistiges Licht‹.


Anstatt Öl beginnt Rupprecht Geiger als Bindemittel Acryl zu verwenden. Außerdem arbeitet er bereits seit Mitte der fünfziger Jahre mit Tagesleuchtfarben, diese setzt er ab jetzt ausschließlich ein. Diese in der Natur nicht vorkommenden und künstlich produzierten Tagesleuchtfarbpigmente – auch Tageslicht-Fluoreszenzfarben genannt – erhalten ihre Leuchtkraft durch ihre Fähigkeit bei Tageslicht zu fluoreszieren. Bei der Verarbeitung der Tagesleuchtfarben spielt Rupprecht Geiger eine Vorreiterrolle. Nach ihm beginnen Thomas Lenk oder Günter Fruhtrunk u. a. diese als künstlerisches Bildmittel einzusetzen.

Ab Mitte der sechziger Jahre beschränkt Rupprecht Geiger sein Formenvokabular auf archetypische Formgebilde wie Rechteck und Oval, um von der Betrachtung der reinen Farbe nicht abzulenken. Bis zum Ende der Professur in Düsseldorf dominiert das Oval als zentrales Bildmotiv. Es entstehen auch einige ovale Holzobjekte, die im Raum zu schweben scheinen und eine gewisse Nähe zur Op-Art zeigen. 1968–1969 konzentriert er sich in der Serie ›Gerundetes Gelb‹ auf die Verwendung von Gelb, Grau und Weiß.


Dieses Formenvokabular prägt auch die Arbeiten im öffentlichen Raum dieser Zeit. Einer der ersten großen Aufträge ist das Aufsehen erregende Werk ›Gerundetes Rot‹ in der Apsis der Kirche St-Ludwig in Ibbenbüren aus dem Jahr 1971. Die direkt auf den Putz gesprühten Tagesleuchtfarbpigmente entfalten sich hier in dem stillen Andachtsraum. 1971/1972 gestaltet Rupprecht Geiger mit großen Farbobjekten die Eingangshalle und ein Großraumbüro der Herta GmbH in Herten. 1973 plant er die gesamte Farbgestaltung der Münchner Joseph-von-Fraunhoferschule, die sich über mehrere Stockwerke bis hin zum Schwimmbad durchzieht.


Während der Düsseldorfer Zeit nimmt Rupprecht Geiger an zahlreichen internationalen Ausstellungen im In- und Ausland teil, u. a. 1968 an der vierten documenta. Für sein Werk ›496/68‹ (WV 471) erhält er 1968 den Burda-Kunstpreis und 1970 wird er Mitglied der Berliner Akademie der Künste. Aufgrund der regen druckgrafischen Produktion der sechziger Jahre erscheint 1972 die sehr aufwendige Publikation mit 30 Siebdrucken ›Werkverzeichnis Druckgrafik 1948–1972‹, bearbeitet von Monika Geiger.


Anlässlich der Einzelausstellung Element Rot im Folkwang Museum Essen erscheint 1975 als Faksimile das Buch ›Farbe ist Element‹. Darin erhebt Rupprecht Geiger die Farbe zum Element: »Farbe hat wie Licht Anspruch, in die Reihe der Elemente eingestuft zu werden – Feuer, Wasser, Luft, Farbe, Licht und Erde.« Außerdem beschäftigt ihn in dieser Zeit die Frage nach der Isolierbarkeit der Farbe. Für die Essener Ausstellung konzipiert er den Farbraum ›Unisono Rot‹, der am Anfang einer ganzen Reihe ähnlicher realisierten oder unrealisierten Raumprojekte steht. Die Innenwände und die Decke der begehbaren Farbtonne sind mit leuchtroter Farbe angestrichen. Unbeeinflusst von äußeren Störfaktoren kann der Ausstellungsbesucher diese Rauminstallation betreten, um Farbe und Energie zu tanken. »Es geht mir um die Farbe, nur um die Farbe und deren Erkennbarkeit.« (Heißenbüttel 1972, S. 5)


Mit einem ›Rotfest‹ verabschiedet sich Rupprecht Geiger 1976 von seiner Düsseldorfer Zeit und Lehrtätigkeit an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf.